Technik, die aufpasst

"Selbstbestimmt und sicher" zu Hause leben

Das Projekt "Selbstbestimmt und sicher" hat zum Ziel, ein Versorgungsnetz für alle an der Pflege beteiligten Akteure – also Pflegekräfte, Angehörige, Ehrenamtliche, Ärzte, Krankenhäuser und Betroffenen zu knüpfen. Gertrud Mäntele nutzt das System bereits. Patrick Merck hat sie besucht:

"Ich fühle mich gut aufgehoben"

Ein ruhiger Nachmittag im Spätsommer. Gertrud Mäntele sitzt auf ihrem Sofa und strickt. Gut zwei Stunden macht sie das; da meldet sich eine freundliche Stimme aus der Küche: „Hallo Frau Mäntele, hier ist die Vitakt-Servicezentrale. Ist alles okay bei Ihnen?“ Die Angesprochene zuckt kurz zusammen, lächelt und meldet sich dann als „gesund und munter“ bei der Anruferin. Die bedankt sich und wünscht noch einen schönen Tag.


Gertrud Mäntele, Jahrgang 1932, fühlt sich gut aufgehoben.Gertrud Mäntele, Jahrgang 1932, erzählt gern von diesem kleinen Erlebnis. „Es ist gut zu wissen, dass da jemand ist, der ein bisschen auf mich aufpasst“, sagt sie fröhlich.

In jedem Zimmer sowie im Flur ihrer Wohnung im ersten Stock eines Zweifamilienhauses sind Bewegungssensoren angebracht. Die meisten hängen an der Wand, einer steht auf dem Wohnzimmerschrank. Weitere Sensoren finden sich an der Wohnungstür und an der Klappe des Küchenschranks, hinter der sie die Teebeutel verwahrt. Um den Hals trägt die gebürtige Niedergebisbacherin einen großen grünen Druckknopf: Gertud Mäntele ist Teilnehmerin am Projekt „Selbstbestimmt und Sicher“ und nutzt moderne Technik, um besser versorgt zu sein.


Gespräche aus der Küche

Das Herzstück des Systems befindet sich in der Küche. Es ist die Kommunikationseinheit. Über das Gerät kann Gertrud Mäntele direkt mit der Servicezentrale sprechen, aber auch andersrum funktioniert es. Wie an diesem besagten Nachmittag im Spätsommer.

Detlef Kappes, Geschäftsführer des Caritasverbands Kinzigtal, erläutert das System: „Die Sensoren registrieren Bewegungen in der Wohnung – wie bei einem Bewegungsmelder, der dann das Licht anschaltet.“ Bloß schalten diese Bewegungsmelder kein Licht an. Erst wenn die Sensoren in der Wohnung im Verlauf einer bestimmten Zeit keine Bewegung registrieren, dann geht quasiein Licht an – und zwar im westfälischen  Rheine. Dort ist die Servicezentrale von Vitakt.

„Die Servicezentrale nimmt in so einem Fall dann direkt Kontakt mit dem Teilnehmer auf und klärt die Situation ab“, beschreibt es Kappes. War es nur ein Versehen – wie bei Gertrud Mäntele – passiert weiter nichts. „Meldet sich der Teilnehmer nicht oder die Lage erscheint problematisch, werden wir, die Hausarztpraxis, Angehörige oder andere Bezugspersonen informiert.“ Das, so Kappes weiter, „ist bei jedem Teilnehmer individuell“.

Das Projekt „Selbstbestimmt und sicher“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vereint verschiedene Partner. Christian Melle von Gesundes Kinzigtal: „Wir bündeln die Erfahrung und Erkenntnisse von unterschiedlichen Anbietern, um daraus den größtmöglichen Nutzen für die Menschen zu ziehen, die auch im Alter in ihren eigenen vier Wänden wohnenbleiben wollen.“

Intelligent und individuell

Das System sorgt durch eine intelligente Vernetzung für mehr Sicherheit. „Die Sensoren und die damit verbundene Technik lassen sich individuell einstellen.“ Das betreffe die Präzision der Detektoren genauso wie die Zeitspanne, wann das System die Service-Zentrale aktiviert, erläutert Melle: „Für den einen sind drei Stunden Inaktivität kein Problem, bei einem anderen Teilnehmer wären 60 Minuten ohne Bewegung schon eine besondere Situation, die ein Eingreifen von außen erforderlich macht.“

Gertrud Mäntele mag ihr System. „Ich melde mich jeden Morgen bei der Servicezentrale und sage denen auch, wenn ich mal weg muss – zum Arzt oder in die Stadt zum Einkaufen.“ Störend findet sie es nicht, dass ihre Wohnung vernetzt ist. „Es ist ja zu meinem besten. Und solange sie nicht sehen, was ich mache, soll es mir recht sein!“, sagt sie und lächelt. „Ich finde es gut.“

Hilfreich für die Pflegekraft

Zu einer ganz ähnlichen Einschätzung kommt auch Detlef Kappes für die Caritas. „Gerade in der Bezugspflege, wenn die Bindung zwischen Pflegefachkraft und Patient sehr eng ist, bedeutet das Wissen, dass der Patient quasi nicht allein ist und einfach Hilfe erhält, eine große Erleichterung für die Pflegekraft.“

Das „Projekt Selbstbestimmt und Sicher“ steht allen Interessenten offen, macht Christian Melle deutlich: „Fragen Sie einfach Ihren Hausarzt oder den Pflegedienst danach.“